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KI-Nutzer berichten fast viermal so oft von Produktivitätsgewinnen.

Die TÜV Weiterbildungsstudie 2026 zeigt einen Abstand bei der Produktivität zwischen Nutzern und Nichtnutzern. Was die Zahlen sagen und was nicht.

Oliver Leifken
Oliver Leifken
Zwei benachbarte Arbeitsplätze im Vergleich, links flüssiges Arbeiten am Laptop, rechts Aktenstapel vor dunklem Bildschirm

Der KI-Graben ist der Abstand zwischen Unternehmen, die generative KI nutzen, und denen, die es nicht tun. Dass KI Produktivität und Effizienz steigert, sagen 54 Prozent der Nutzer und 14 Prozent der Nichtnutzer12. Geschult haben bisher erst 27 Prozent aller befragten Betriebe2.

Wer wissen will, ob sich der Aufwand lohnt, bekommt hier zum ersten Mal eine deutsche Zahl. Sie ist eine Selbstauskunft der Befragten, kein gemessener Wert, und genau so wird sie hier auch verwendet.

Was ist passiert?

Der TÜV-Verband hat am 13. Mai 2026 eine Auswertung seiner Weiterbildungsstudie 2026 veröffentlicht1. Die Studie selbst erschien am 28. April 20262. Forsa hat dafür 500 Unternehmen ab 20 Mitarbeitenden befragt, zwischen Januar und März, jeweils Personalverantwortliche und Geschäftsführung12. Das ist die Grundlage aller Zahlen hier.

Kernaussage

In der TÜV Weiterbildungsstudie 2026 sagen 54 Prozent der KI-nutzenden Unternehmen, dass KI Produktivität und Effizienz steigert12. Bei Unternehmen ohne generative KI sind es 14 Prozent12. Geschult haben 27 Prozent2.

Welche Fakten sind belegt?

Belegt sind Nutzung, Selbsteinschätzung und Schulungsstand, jeweils als Anteil der befragten Unternehmen. 56 Prozent setzen generative KI-Anwendungen im Arbeitsalltag ein1. Über alle Befragten hinweg berichten 36 Prozent von Effizienzgewinnen1. Die Lücke dazwischen ist der eigentliche Befund, und die weiteren Zahlen zeigen, woran es hakt.

  • Bei fast jedem dritten KI-nutzenden Unternehmen, also 31 Prozent, werden Tätigkeiten durch KI automatisiert1.
  • 27 Prozent haben ihre Beschäftigten geschult, mehr als eine Verdopplung binnen zwei Jahren, 2024 waren es 12 Prozent2.
  • 50 Prozent aller Befragten sehen hohen oder sehr hohen Weiterbildungsbedarf bei KI, unter den Nutzern sind es 71 Prozent1.
  • 87 Prozent halten Weiterbildung für wichtig, aber nur 29 Prozent haben eine schriftliche Weiterbildungsstrategie2.
  • 72 Prozent priorisieren anwendungsnahe KI-Kompetenzen, nicht allgemeine Grundlagen2.
Kennzahl aus der Befragung Anteil
setzen generative KI im Arbeitsalltag ein 56 Prozent1
berichten über alle Befragten von Effizienzgewinnen 36 Prozent1
haben ihre Beschäftigten geschult 27 Prozent2
sehen hohen oder sehr hohen Weiterbildungsbedarf 50 Prozent1
haben eine schriftliche Weiterbildungsstrategie 29 Prozent2

Was heißt das für den Mittelstand?

Der Abstand wächst nicht an der Technik, sondern an der Übung. 56 Prozent nutzen KI, aber nur 27 Prozent haben ihre Leute dafür geschult12. Die Programme sind überall dieselben, der Unterschied sitzt vor dem Bildschirm. Daraus folgen drei Dinge, und alle drei kosten wenig.

  • Ein halber Tag Einweisung je Gruppe kostet weniger als eine Jahreslizenz und wirkt schneller.
  • Der häufigste Rahmen von drei bis fünf Weiterbildungstagen im Jahr reicht für die betroffenen Rollen einmalig nicht aus2.
  • Schule anwendungsnah. Nicht was ein Sprachmodell ist, sondern wie bei euch ein Angebot entsteht und was dabei nicht hineingehört.

Wo die häufigsten Stolperstellen liegen, steht im Beitrag Warum KI-Piloten im Mittelstand stecken bleiben. Deinen eigenen Stand ordnet der KI-Reifegrad-Check ein.

Was ist noch offen?

Drei Einschränkungen gehören zu diesen Zahlen. Es sind Selbstauskünfte, keine gemessenen Produktivitätswerte, deshalb steht hier immer berichten von und nie erzielen1. Ein ursächlicher Zusammenhang zwischen Schulung und Gewinn ist in keiner Quelle belegt. Wer diese Zahlen intern zitiert, sollte die Einschränkung mitliefern.

Alle Zahlen hier sind gegen den Studienbericht geprüft2. Erhoben wurde vom 26. Januar bis 11. März 2026 per Telefon2. Gefragt wurde, wie stark die Aussage „Durch KI wird Produktivität und Effizienz gesteigert“ zutrifft2. Die 54 Prozent sind die Summe aus sehr stark und eher stark2.

Meine Empfehlung aus Erfahrung

Meine Einschätzung: Der Graben entsteht meistens in den ersten drei Monaten nach der Freischaltung. Wer in dieser Zeit einmal gemeinsam am eigenen Material übt, bleibt dran. Wer nur einen Zugang bekommt und sonst nichts, probiert zweimal etwas aus und lässt es dann liegen. Ich würde deshalb nicht in mehr Lizenzen investieren, sondern in eine feste Stunde im Monat, in der die Leute ihre echten Fälle mitbringen.

Wie ordnet sich die Studie zur Produktivität ein?

Die DIHK-Digitalisierungsumfrage kommt zu einem ähnlichen Bild, mit anderer Verteilung. Dort bewerten 52 Prozent der Unternehmen den Einfluss von KI auf die Produktivität als moderat, 34 Prozent als hoch und 13 Prozent als gering3. Die Erhebung lief im November 2025 mit 4.686 Antworten3.

Beide Befragungen sagen dasselbe in zwei Tonlagen: Es passiert etwas, und es passiert nicht von allein. Wer eine Zahl für die eigene Geschäftsführung braucht, nimmt am besten beide und nennt die Stichprobe dazu.

Häufige Fragen

Heißt das, KI steigert die Produktivität um 54 Prozent?

Nein. Die Zahl sagt, wie viele KI-nutzende Unternehmen der Aussage zustimmen, dass KI Produktivität und Effizienz steigert[2]. Es sind Selbstauskünfte aus einer Befragung, keine gemessenen Werte. Eine Aussage über die Höhe des Gewinns lässt sich daraus nicht ableiten.

Sind geschulte Betriebe automatisch produktiver?

Das belegt die Studie nicht. Sie nennt beide Werte nebeneinander: 56 Prozent nutzen generative KI, 27 Prozent haben geschult[1][2]. Einen ursächlichen Zusammenhang stellt keine der Quellen her. Meine Erfahrung spricht dafür, ein Beleg ist es nicht.

Wie viele Weiterbildungstage brauchen wir für KI?

Keine Vorgabe nennt die Studie. Belegt ist nur, dass 51 Prozent der Unternehmen mit Weiterbildungsangebot drei bis fünf Tage im Jahr gewähren und 65 Prozent davon höchstens 1.000 Euro je Mitarbeitendem vorsehen[2]. Für eine erste Einweisung reicht ein halber Tag je Gruppe.

Gilt das auch für einen Betrieb mit 15 Beschäftigten?

Die Studie sagt dazu nichts. Befragt wurden 500 Unternehmen ab 20 Mitarbeitenden[2]. Kleinere Betriebe sind nicht enthalten, deshalb lässt sich die Zahl nicht auf sie übertragen. Der Mechanismus dahinter, Übung schlägt Werkzeug, ist von der Größe unabhängig.

Quellen

  1. TÜV-Verband: Der KI-Graben zwischen Unternehmen wächst: Wer KI nutzt, arbeitet produktiver (2026), abgerufen am 11. September 2026
  2. TÜV-Verband: TÜV Weiterbildungsstudie 2026, Studienbericht, Forsa-Befragung von 500 Unternehmen ab 20 Mitarbeitenden (2026), abgerufen am 12. September 2026
  3. Deutsche Industrie- und Handelskammer: Künstliche Intelligenz, Souveränität und Resilienz, DIHK-Digitalisierungsumfrage 2026 (2026), abgerufen am 11. September 2026

Stand 13. Mai 2026 · geprüft am 12. September 2026

Oliver Leifken
Oliver LeifkenZertifizierter KI-Strategieberater. Über zehn Jahre Projekte in der Banken-IT, heute Beratung und Umsetzung für den Mittelstand.Über mich
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