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Der Durchschnitt nutzt zwei KI-Anwendungen, dann ist Schluss.

KI-Piloten bleiben im Mittelstand meist bei zwei Anwendungen stehen. Was die Zahlen von Bitkom und KfW zeigen und was die dritte Anwendung bringt.

Oliver Leifken
Oliver Leifken
Papierflieger auf einer kurzen Startbahn aus Karton mit orangefarbenen Markierungen: KI-Pilot, der nicht abhebt

Wer bei KI-Piloten stehen bleibt, ist damit nicht allein: Im Durchschnitt nutzen deutsche Unternehmen laut Bitkom1 genau zwei KI-Anwendungen. Schulungen zu KI bieten 43 Prozent bis heute nicht an1. Die Zahl der Nutzer steigt, die Tiefe der Nutzung nicht. Genau hier entscheidet sich, ob aus einem Versuch im Mittelstand ein Betriebsablauf wird.

Woran es hängt, ist gut belegt: an fehlendem Zugang, an fehlender Einweisung und daran, dass nach dem Piloten niemand zuständig bleibt.

Wie viele Unternehmen setzen KI überhaupt ein?

Das hängt davon ab, wer gezählt wird. Bitkom kommt in einer Befragung von 20251 auf 36 Prozent der Unternehmen ab 20 Beschäftigten. KfW Research zählt den gesamten Mittelstand inklusive Kleinstbetrieben und kommt auf 20 Prozent2. Beide Zahlen stimmen, sie messen nur unterschiedliche Gruppen.

Die Erhebungsbasis gehört dazu. Bitkom befragte laut Studienbericht1 telefonisch 604 Unternehmen mit mindestens 20 Beschäftigten. KfW stützt sich auf das Mittelstandspanel und zählt knapp 780.000 Unternehmen mit KI-Einsatz2.

Der Trend ist in beiden Erhebungen gleich. Bitkom meldet eine Verdopplung gegenüber dem Vorjahr1, KfW eine Verfünffachung in sechs Jahren2.

Kernaussage

In der Bitkom-Befragung 2025 nutzen Unternehmen im Durchschnitt zwei KI-Anwendungen, ein Viertel nur eine1. Mit einer Digitalisierungsstrategie setzen 35 Prozent KI ein, ohne Digitalisierungsaktivitäten nur 19 Prozent2. Die Nutzung bleibt damit auf einzelne Anwendungsfälle begrenzt1.

Warum bleiben KI-Piloten bei zwei Anwendungen stehen?

Weil die Voraussetzungen für die dritte fehlen. Nur gut ein Viertel der Unternehmen stellt den Beschäftigten laut Bitkom1 überhaupt einen direkten Zugang zu generativen KI-Diensten bereit. Und 43 Prozent bieten bis heute keine Schulungen zu KI an1. Wer weder Zugang noch Einweisung hat, probiert nichts Neues.

Ein Viertel beschränkt sich laut Bitkom1 auf eine Anwendung, 27 Prozent auf zwei, 24 Prozent auf drei. Vier Anwendungen kommen bei 6 Prozent der Unternehmen vor, fünf oder mehr nur bei 2 Prozent1. Die Verteilung sagt mehr als jede Anekdote.

Die Datenschutzkonferenz beschreibt die Folge dieser Lücke3: Ohne klare Regelungen arbeiten Beschäftigte eigenmächtig und unkontrolliert mit KI-Anwendungen. Der Betrieb hat dann keinen zweiten Anwendungsfall, sondern ein Schattenprojekt.

Was bremst wirklich, Recht oder Können?

Beides, aber nicht in der Reihenfolge, die viele erwarten. In der Bitkom-Befragung1 nennen 53 Prozent aller Unternehmen rechtliche Unklarheiten und 48 Prozent Anforderungen an den Datenschutz. Bei den Unternehmen, die KI bereits nutzen, steht fehlendes technisches Können mit 53 Prozent gleichauf1.

Der Sprung ist der eigentliche Befund. Fehlendes technisches Können nennen laut Bitkom1 34 Prozent aller Unternehmen, aber 53 Prozent der Nutzer. Fehlende Akzeptanz der Beschäftigten steigt von 31 auf 41 Prozent1. Meine Einschätzung: Wer anfängt, merkt erst, woran es fehlt.

Der AI Act gilt vielen als Aufwandstreiber. 93 Prozent der betroffenen Unternehmen sehen laut Bitkom1 einen eher oder sehr hohen Aufwand. Mehr Nachteile als Vorteile sehen 56 Prozent1. Das ist eine Wahrnehmung, keine Messung des tatsächlichen Aufwands.

Was unterscheidet Betriebe, die weiterkommen?

Nicht die Größe, sondern der digitale Reifegrad. KfW Research stellt fest2, dass Unternehmensgröße und Branche nur untergeordnete Bedeutung haben, sobald Innovations- und Digitalisierungsmerkmale berücksichtigt werden. Betriebe mit einer Digitalisierungsstrategie nutzen KI zu 35 Prozent, Betriebe ohne Digitalisierungsaktivitäten zu 19 Prozent2. Der Abstand ist deutlich.

Die Spannweite ist groß. Unternehmen ohne Hochschulabsolventen und ohne Innovationsaktivitäten setzen KI laut KfW2 nur zu 8 Prozent ein. Mit kontinuierlicher Forschung und Entwicklung sind es laut KfW2 38 Prozent.

KfW nennt als wichtigste Hemmnisse2 fehlende Fachkräfte und Kompetenzen, begrenzte zeitliche Ressourcen, unzureichende Datengrundlagen und Bedenken bei Sicherheit und Zuverlässigkeit.

KfW rechnet zusätzlich ein Szenario durch2: Bis 2037 könnte das Bruttoinlandsprodukt rund 12,8 Prozent höher liegen, wenn KI breit und intensiv in Prozesse, Produkte und Geschäftsmodelle einzieht. Das ist eine Modellrechnung, kein gemessener Wert.

Welche Stufe des Reifegradmodells ist das?

Das ist Stufe zwei von fünf, die Entwicklung. Auf dieser Stufe laufen die ersten Pilotprojekte, aber der Alltag im Betrieb bleibt unberührt. Stufe drei, die Anwendung, ist erst erreicht, wenn KI im Arbeitsalltag angekommen ist und nicht mehr am Einsatz einzelner Leute hängt. Der Überblick über die fünf Stufen:

Stufe Woran du sie erkennst
Eins, Initiierung KI ist ein Thema im Haus. Mehr ist es noch nicht
Zwei, Entwicklung Die ersten Pilotprojekte laufen. Der Alltag bleibt davon unberührt
Drei, Anwendung KI ist im Arbeitsalltag angekommen. Abläufe sind darauf eingestellt
Vier, Integration KI trägt das Geschäftsmodell mit. Zuständigkeiten sind geklärt
Fünf, Optimierung KI gestaltet Märkte, statt ihnen zu folgen. Das bleibt die Ausnahme

Die Stufen sind kein Wettbewerb. Sie sagen nur, was als Nächstes dran ist, und sie verhindern, dass ein Betrieb Stufe vier plant, während Stufe zwei noch wackelt.

Wo dein Betrieb steht, ordnet der KI-Reifegrad-Check über sieben Bereiche ein. Wie eine Einführung danach abläuft, zeigt das Vorgehen in der Beratung.

Meine Empfehlung aus Erfahrung

Meine Einschätzung: In den Betrieben, die ich begleite, scheitert die dritte Anwendung selten an der Technik. Sie scheitert daran, dass nach dem Piloten niemand zuständig bleibt und dass vor dem Start kein Kriterium festgelegt war, wann der Versuch als gelungen gilt. Ich würde vorher aufschreiben, woran ihr Erfolg und Abbruch erkennt, und eine Person benennen, die den Ablauf danach weiterführt. Ohne diese zwei Festlegungen bleibt jeder Pilot ein Einzelstück.

Wie kommst du von Stufe zwei auf Stufe drei?

Indem du die Voraussetzungen schaffst, die in den Zahlen fehlen: Zugang, Einweisung und eine Zuständigkeit. Ein Betrieb, in dem laut Bitkom1 nur ein Viertel der Leute Zugang hat und fast die Hälfte nie geschult wurde, trägt keine dritte Anwendung. Die Reihenfolge ist immer dieselbe.

  • Gib allen einen Zugang, der die Vorgaben erfüllt. Ohne Zugang entsteht keine zweite Idee.
  • Weise die Leute an ihren eigenen Aufgaben ein. Ein allgemeiner Onlinekurs bleibt folgenlos.
  • Lege vor dem Start fest, woran du Erfolg und Abbruch erkennst. Danach fällt die Entscheidung leichter.
  • Benenne eine zuständige Person für die Zeit nach dem Piloten. Sonst rutscht der Ablauf ins Tagesgeschäft zurück.

Was das für eure Strategie bedeutet, steht in der Beratung zur KI-Strategie. Welche Einweisung die KI-Verordnung dafür verlangt, steht im Beitrag Schulungspflicht nach Artikel 4. Ein konkreter Anlass für den nächsten Schritt steht 2027 an, nachzulesen im Beitrag E-Rechnung ab 2027. Für ein Gespräch über eure Lage schreib mir kurz.

Häufige Fragen

Ist unser Betrieb einfach zu klein für mehr als einen Piloten?

Nein. KfW Research kommt zu dem Ergebnis, dass Unternehmensgröße und Branche nur eine untergeordnete Rolle spielen, sobald man Innovations- und Digitalisierungsmerkmale berücksichtigt [2]. Entscheidend ist, ob es eine Digitalisierungsstrategie gibt: Solche Betriebe nutzen KI zu 35 Prozent, Betriebe ohne Digitalisierungsaktivitäten zu 19 Prozent [2].

Wie viele KI-Anwendungen sind für einen Mittelständler normal?

Meist zwei. Ein Viertel der Unternehmen bleibt bei einer einzigen Anwendung, 27 Prozent nutzen zwei und 24 Prozent drei [1]. Vier Anwendungen kommen nur bei 6 Prozent vor, fünf oder mehr bei 2 Prozent [1]. Wer also drei Anwendungen im Einsatz hat, liegt bereits über dem Durchschnitt.

Bringt die KI-Verordnung wirklich so viel Aufwand, wie alle sagen?

Das ist bisher vor allem eine Wahrnehmung. 93 Prozent der betroffenen Unternehmen rechnen mit einem eher oder sehr hohen Aufwand, und 56 Prozent sehen mehr Nachteile als Vorteile [1]. Gemessen ist der tatsächliche Aufwand damit nicht. Die Sorge bremst trotzdem messbar.

Woran merke ich, dass ein Pilot nur noch vor sich hin läuft?

Wenn niemand mehr benennen kann, wer den Piloten verantwortet, und wenn vor dem Start kein Kriterium für Erfolg oder Abbruch festgelegt wurde. Das ist meine Einschätzung aus meinen Projekten, keine Studienaussage. Die Zahlen zeigen nur das Ergebnis, nämlich den Stillstand bei zwei Anwendungen [1].

Quellen

  1. Bitkom e.V.: Studienbericht Künstliche Intelligenz in Deutschland, Befragung 2025 (2026), abgerufen am 16. Juni 2026
  2. KfW Research: Fokus Volkswirtschaft Nr. 533, Einsatz von Künstlicher Intelligenz im Mittelstand (2026), abgerufen am 16. Juni 2026
  3. Konferenz der unabhängigen Datenschutzaufsichtsbehörden des Bundes und der Länder: Orientierungshilfe Künstliche Intelligenz und Datenschutz, Version 1.0 (2024), abgerufen am 16. Juni 2026

Stand 16. Juni 2026 · geprüft am 11. September 2026

Oliver Leifken
Oliver LeifkenZertifizierter KI-Strategieberater. Über zehn Jahre Projekte in der Banken-IT, heute Beratung und Umsetzung für den Mittelstand.Über mich
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